Mittwoch, 12. September 2007

Tagebuch einer Reise durch Irland - Tag 11

Tag 11

Der Morgen bei dem jungen glücklichen Pärchen war sehr angenehm. Wir konnten bequem ausschlafen und ich hatte keinen Kater von dem vielen Whisky. Das war toll.

In dem Zimmer haben wir übernachtet, das Zimmer mit dem Buddha und dem schrägen Gemälde.

Wir haben uns Zeit mit dem Aufstehen gelassen, entspannt geduscht und dann gefrühstückt. Bevan & Vanessa boten uns Vollkornbrot (Rarität in Irland!), Butter(!), guten Dubliner Cheese und Haferbrei mit Früchten an & wir haben alles ganz, ganz oft abgelehnt wie sich das gehört und am Ende dann am meisten gegessen.

Ich weiß noch genau, dass mich Rowan an diesem Morgen ständig mit geradezu verletzend misstrauischen Blicken taxiert hat. Beinahe bösartig. Ich hab mich plötzlich sehr unwohl und durchschaut gefühlt. Bevan merkte das und versuchte Rowan zum Lachen zu bringen, aber Rowan ließ nicht von mir ab und ich konnte auch nicht wegsehen. Ich hab mir dann ernsthaft Sorgen gemacht, was ich wohl an mir haben müsste das ein zwei Monate altes Baby so misstrauisch macht.

Wir haben natürlich abgespült und alles, das haben wir immer gemacht (steht sogar in Jan’s Couchsurfing-Profil). Als wir schließlich alles gepackt hatten meinten die beiden wir könnten nun entweder mit ihnen nach Letterfrack fahren, da sie was kaufen mussten, oder noch ein wenig im Haus bleiben und entspannen. Die Versuchung war groß, aber die beiden waren einfach so unfassbar nett, dass wir es ihnen nicht zutrauten uns ehrlich zu sagen falls wir ihnen auf die Nerven gingen, also entschieden wir uns zu gehen. Wir wollten ja auch in Bewegung bleiben. Natürlich konnten wir diesmal nicht gehen ohne ein Foto von den beiden und Rowan zu machen.

Hat ihre liebenswürdigen Persönlichkeiten sehr gut eingefangen finde ich.

Das Haus mit den Herzchen & Jan mit lustiger Frisur.

Wir sind wieder zu fünft ins Auto und fuhren nach Letterfrack. Genau in dem Moment als wir einparkten fasste ich mir an die Nase und merkte, dass ich meine Brille vergessen hatte. Also sind wir noch mal zurück, ich hab die Brille geholt, das Pärchen reagierte mit übermenschlicher Geduld und wir sind wieder nach Letterfrack. Dort haben wir uns sehr nett von den beiden verabschiedet.

Ab dem Punkt ging es wieder ein wenig abwärts. Wir wollten weitertrampen an einen schönen Ort im Norden namens Killeen, leider hat aber kaum jemand für uns gehalten. Dadurch hatten wir viel Zeit zum singen und quatschen und ich habe immer mal wieder „Hallelujah“ angestimmt. Jan kannte dass Lied nicht. An der Stelle wo es heißt „the minor fall, the major lift“ hat er immer „the Major lives!“ mitgesungen was ich ziemlich lustig fand. Er meinte er dachte das wäre irgendeine seltsame Metapher. Irgendwann begann Jan auf die Melodie seinen eigenen Text zu singen. Das verselbstständigte sich und wir fingen an zum Zeitvertreib neue Strophen zu entwickeln:

“I heard there was a secret car
That David drove and he drove it far
But you don’t really care for hitching, do ya?
Well it goes like this you clench your fist
You spread your thump and you get a lift
And on your Lift you feel like Hallelujah

Hallelujah…”
etc.

Wir hatten uns übrigens wieder ein wenig gesplittet, standen aber bloß 20 Meter voneinander entfernt (kein Platz). Ich stand vor einem Shop aus dem nach einer Weile die Besitzerin kam und mir anbot ein Schild für mich zu machen.

Nach Jan’s Erfahrung bringen Schilder meistens nichts, da die meisten Leute sie als Entschuldigung sehen nicht anhalten zu müssen. Sie denken sich dann dass sie ja nicht bis zu dem gewünschten Ort durchfahren und man deshalb vermutlich eh nicht mit will. Es gibt noch eine eherne Regel beim Trampen und die lautet: niemals bettelnd wirken, also kein Hundeblick, keine Elendsmiene, keine Bitte-Bitte Gesten.

Auf dem Schild dass mir die Verkäuferin raus gab stand: Killeen PLEASE!

Das „Please“ hatte sie tatsächlich dreifach unterstrichen und mit seltsamen bunten Schnörkeln versehen. Ich hab das Schild unter den freundlichen Blicken der Frau angenommen und versucht es so zu halten dass das PLEASE! nicht zu sehen war.

Nach einer Weile hat ein recht junger irischer Volksmusiker (Querflötist) für uns gehalten. Der war wirklich nett, lustig & quirlig. Er konnte uns leider nicht bis Killeen mitnehmen und hat uns dann in „Leenaun“ abgesetzt.

Leenaun war schrecklich. Es hat ununterbrochen geregnet. Es gab tatsächlich bloß einen einzigen Fleck Sonne der sich gut sichtbar, aber unerreichbar über die ferne Landschaft bewegt hat. Als hätte der da Oben mal wieder seinen Spaß mit uns.

Es fing also an zu Regnen und dann kam auch noch Nebel und wir haben uns erstmal untergestellt und ein paar deprimierende Fotos von Leenaun gemacht.

Leenaun.

Ich mit einer ekligen Orangenlimonade.

Jan, sitzend.

Wir wollten da wieder weg und nach Killeen nahm uns keiner mit. Also sind wir zurück nach Letterfrack getrampt, mit einem französischen Pärchen. Die haben uns sogar gleich zu dem Hostel gefahren, wo wir ursprünglich in Letterfrack hinwollten.

Wir sind ins Hostel rein und fragten nach Plätzen, wir durften aber bloß für 5 Euro (!) pro Person unser Zelt im Garten aufschlagen und die Toiletten im Hostel benutzen. Das war ein schlechter Witz, also haben wir uns zu Jan’s Spot aufgemacht. Um dahin zu gelangen musste man über eine Absperrung klettern und dann durch ein Feld voller… Achtung… gleich… Pferde! Und Schlammpfützen noch dazu. War alles komplett versumpft. Zum Glück standen uns die Pferde nicht im Weg darum mussten wir bloß durch den Sumpf waten (ich übertreibe).

Jan’s Spot sah tatsächlich ganz nett aus. Eine gut geschützter, grüner Spot mit einem Baum wie der am Strand mit den Asseln. War sehr hübsch.

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten beschloss Jan in den Letterfracker Nationalpark einzubrechen. Er hatte ja schon mal hier gecampt und kannte einen geheimen Eingang. Ich zögerte erst und wollte dann auch mit. Wir stülpten uns so kleine Brötchen-Plastiktüten, die wir uns immer bei Tesco mitgenommen hatten, über die Schuhe damit sie nicht zuu nass wurden und wanderten los. Zuerst sind wir durch einen kleineren Zaun geschlüpft und mussten dann durch ein sehr seltsames, relativ steiles Feld.

Es war windig da.

Und schön.

Durch das hohe Gras konnte man den Boden nicht sehen, der sehr löchrig war. Man rutschte ständig mit einem Fuß in eins dieser Löcher, daher kamen wir nur langsam voran. Jan fand einen Eingang in den Nationalpark, wieder ein läuternder Dornenpfad, und auf der anderen Seite zogen wir dann die nutzlosen Reste der Plastiktüten von unseren Schuhen.

Im Nationalpark gab es einen Berg den wir nun besteigen wollten. Da kann man nicht so viel drüber schreiben denke ich. War eine recht meditative Erfahrung. Es war extrem windig und es wurde nach oben hin immer windiger und kälter. Naja ich lass die Bilder mal lieber für sich sprechen:

Jan vor dem Berg.

Ich mit Wind im Gesicht.

Aussicht am Fuß des Berges.

Jan und ich mit noch mehr Wind im Gesicht. Mir fällt gerade auf, dass sich Jans Gesicht im Wind entspannt während meins zur Grimasse wird.














Ich am Gipfel mit Sieger-Kippe. Da war auf einmal viel weniger Wind.

Der Abstieg.

Aus diesem Bach haben wir uns auf dem Rückweg unser Wasser geholt.

Gelbes Wasser… Das Wasser in Clifden war aber noch einen Tick gelber.

Danach sind wir wieder den ganzen Weg zurück zum Lager und haben uns Nudeln gekocht. Als es uns an einer guten Sitzunterlage mangelte entschieden wir, dass es endlich Zeit war unseren Survival-Bag zu gebrauchen. Wir waren lange genug gereist ohne ihn zu benutzen, einfach nur die Sicherheit genießend, im Notfall doch noch einen Survival-Bag zu haben. Jan entschied ihn diese Nacht als Unterlage zu verwenden

Wir haben uns also drauf gesetzt und merkten dann, dass das Teil extrem rutschig war. Der Gedanke daran was das diese Nacht für Jan bedeuten konnte war lustig. Wir haben uns vorgestellt wie Jan nachts, während es draußen regnete langsam unter seinem Tarp hervor ins freie gleiten würde.

Zu Essen gab es Nudeln in Rotweinsauce. Wir wollten die Gaskartusche, die fasst leer war, aufbrauchen und haben uns damit ein kleines Feuer gemacht.







Es war nass da.

Sonntag, 9. September 2007

Tagebuch einer Reise durch Irland - Tag 10

Tag 10

Der nächste Morgen war so richtig sch…lecht.

Ich wurde geweckt von Jan’s Schmerzensschreien. Ich merkte, dass es regnete. Durch den Regen hatten sich lauter Beißfliegen unter Jan’s Tarp versammelt. Seit drei Stunden hatte es geregnet. Jan wusste das, weil er seit drei Stunden von diesen wirklich unfassbar vielen Beißfliegen gefoltert wurde.

Besagte Beißliegen sehen für das ungeschulte Auge aus wie ganz normale Fruchtfliegen, aber wehe Jemand lacht an dieser Stelle! Die Viecher waren wirklich gefährlich. Sie waren total aggressiv und Jan hatte bestimmt über hundert unter seinem Tarp versammelt. Die Bisse waren klein und schmerzhaft und sie juckten und brannten.

3 Stunden.
Ich kann die Schreie noch hören.
Für Jan war das auf jeden Fall der schlimmste Morgen überhaupt. Früh morgens neben einem Haufen Scheiße liegend, von über hundert winzigen, beißenden Fruchtfliegen geweckt zu werden, die dich ohne Pause foltern während du nicht fliehen kannst weil es draußen in Strömen regnet – das ist die Hölle.

Nach einer Weile hörte es auf zu regnen und wir sind sofort da weg, gleich zum nächsten Supermarkt und dann: essen, essen, essen! Den Stress und den Schmerz wegessen. Sich einfach nur besinnungslos essen.

Im Supermarkt haben wir uns Käse, Brot, Schinken und Orangensaft geholt und wollten essen, doch als wir raus gekommen sind hat es angefangen so richtig zu regnen. Wir haben auf dem Weg zurück zum Lager eine halbwegs geschützte Stelle gefunden, bei der es aber leicht durchgeregnet hat. Es haben sich immer so dicke Tropfen angesammelt, die einem dann gezielt in den Nacken gefallen sind. Ein richtig ekliger Morgen.

Während einer Regenpause haben wir dann unser Lager abgebaut und dabei die Scheiße entdeckt. Der Regen hatte sie so weit aufschwemmen lassen dass sie nun gut sichtbar war. Und einer der Heringe von Jan’s Tarp lag mittendrin. Jan hat den Hering dann abgewaschen, was ihn sichtliche Überwindung kostete, doch gegen eine ganzen Nacht neben einem Haufen Scheiße war das wahrscheinlich nichts.

Der Spot… Wenn man genau hinsieht, entdeckt man unten rechts im Bild einen braunen Fleck im Gras. Das ist die Scheiße.

Nach dem Abbauen haben wir uns so schnell es ging unter einen Unterstand beim Supermarkt verkrochen. Da war ne Bank. Wir haben uns hingesetzt und mit dem gelben Wasser Kaffee gekocht. Der Kaffe sah aus wie mit Safran versetzt, schmeckte aber ganz in Ordnung. Wir mussten da ne ganze Weile rumsitzen, da es nicht aufhörte zu regnen.

Da waren zwei hyperaktive, kleine Kinder, denen ihre Eltern große Plastikbälle mit einer Gummischnur an den Kragen geheftet hatten. War ein wirklich seltsamer Anblick. Die Kinder schienen unfähig aufzuhören die Bälle zu treten. Das ältere der beiden Kinder hatte es irgendwann richtig drauf und trat immer selbstbewusster und energischer auf den Ball ein. Das kleinere Kind war weniger geübt. Ihm sprang der Ball ständig gegen den Kopf wie um es zu strafen, was es aber nur noch verbissener machte.

Schien eine gute Methode zu sein die Kinder außer Gefecht zu setzen, und passiv zu erziehen oder so. Sobald die Eltern wiederkamen und den Kindern die Bälle von den Jacken knipsten, fingen sie sofort an laut zu werden und Forderungen zu stellen, als wäre ein Bann gebrochen. Während sie mit den Bällen beschäftigt gewesen waren hatten sie kein Wort gesagt.

Nach viieel Regen sind wir schließlich irgendwann an die Straße nach Letterfrac gegangen. In Letterfrac gab es ein ganz nettes Hostel das Jan kannte, aber eigentlich wollten wir zu einem tollen Spot den Jan während seinem letzten Irlandurlaub entdeckt hatte.

[Aufmerksame Leser werden hier zum zweiten Mal innehalten und bemerken, dass Jan und ich durch unsere Reiseroute heftig an einem unserer 7 Grundpfeiler für die Reise rüttelten. Wir wollten ja eigentlich die Orte vermeiden die Jan schon kannte, aber nach diesem Morgen hatten wir ein zu großes Bedürfnis nach ein wenig Sicherheit was unseren Schlafplatz anging.]

Beinahe sofort hat ein sehr nettes, junges Pärchen mit einem Baby für uns gehalten. Wir hatten Zweifel ob wir ins Auto passen mit dem ganzen Gepäck und dem Baby, aber die beiden wollten uns nicht stehen lassen und haben uns geholfen bis wir drin waren, ich vorne mit Jan’s Rucksack auf dem Schoß, Jan hinten mit dem Mann und dem Baby.

Die beiden waren sehr nett, besonders der Mann war kommunikativ. Hat uns lauter Fragen gestellt und wir haben begeistert all unsere Geschichten erzählt. Nur dass wir morgens in Scheiße aufgewacht sind haben wir verschwiegen. Dachten das würde uns nicht besonders attraktiv machen als Tramper.

Rückblickend bin ich wirklich froh dass wir so weitsichtig waren, denn als wir das Gespräch auf Couchsurfing lenkten und erwähnten, dass wir noch keinen Platz zum schlafen hatten und all unsere Sachen komplett nass waren (was wir in dem Moment nur erzählt haben um abenteuerlich und verwegen zu wirken), haben sie uns tatsächlich angeboten bei ihnen zu Hause zu übernachten.

Sie haben erstmal bei einem Pub in Letterfrac halt gemacht und gemeint, wir könnten uns das Angebot überlegen und zu ihnen ins Pub kommen wenn wir mitwollten. Sie hießen Bevan und Vanessa und ihr kleiner Sohn hieß Rowan. Wir haben es uns also überlegt und waren ein klein wenig misstrauisch bei so viel Güte & Nettigkeit. Die beiden waren wirklich unglaublich nett. Auf eine beinahe einschüchternde Art, eine Art die einen still und nervös werden ließ und dazu brachte, dass man sich genau überlegte was man als nächstes sagte. Wir dachten sie wären vielleicht in einer Art Sekte...

Wir sind also zu ihnen ins Pub und sie haben uns, unseren Protest ignorierend, ein Pint Guiness spendiert (weil wir sie in einer Art Kompromiss auf ein Pint runtergehandelt hatten, zuerst waren es zwei Pints und was zu Essen). Wir haben uns dann ein wenig unterhalten und ihnen schließlich mitgeteilt dass wir sehr gern bei ihnen übernachten würden, falls es nur kein Problem sei und es keine Umstände mache etc.

Sie haben uns schließlich zu ihrem Haus gefahren, das unweit vom Strand lag und rote Fensterläden mit herzförmigen Löchern hatte. Als wir das Haus betraten, war das erste was wir sahen ein Jesus-Bild im Eingangsbereich, da haben wir uns kurz sorgen gemacht. Dann kam ein Zimmer mit Buddhastatue und abstrakten Bilden, nun wussten wir nicht ob wir erleichtert oder noch besorgter sein sollten.

Nach einer kurzen weile bot mir Bevan an mit ihm vor der Tür eine zu rauchen,

"Say Kuai, would you like to have a smoke outside?"

und wir haben uns dabei ein wenig unterhalten. Bevan und Vanessa waren erst vor zwei Wochen in das Haus gezogen. Die Einrichtung war Teilweise noch von den Vorbesitzern(pink & neonfarbene Wände, Herzen etc.). Bevan war nicht religiös, Das Jesusbild gehörte wohl zum Haus, die Buddhastaue gehörte Vanessa, die Yogalehrerin war, und das abstrakte Bild war von einem Freund gemalt worden.

Wir haben uns gleich viel wohler gefühlt. Als ich meinte mir wäre kalt (mir war tatsächlich kalt), hat Bevan mir einen lustigen großen Schafswollpulli gegeben.














Ich mit Kippe, Wein & Schafswollpulli im Eingangsbereich des Hauses.

Wir haben dann „Curry“ gegessen, was sehr lecker war. Sogar einen Wein haben sie für uns entcorkt!

Die Küche.

Der Wohnzimmerkamin (das Wohnzimmer hatten Vanessa & Bevan bereits selbst eingerichtet, war sehr gemütlich)

Nach dem Essen brachte Vanessa Rowan ins Bett. Bevan setzte sich noch mit uns an den Kamin, wo wir geraucht und uns unterhalten haben. Über sein Berufsfeld Archäologie (Er summte Rowan manchmal die Indiana Jones Titelmelodie zu), gute Filme, gute Musik, Terry Pratchett, Studium und Familienglück.

Er entpuppte sich als ein unheimlich netter Typ mit einem sehr trockenen Humor. Zu seiner sehr netten und gewählten Ausdrucksweise meinte er, dass er sich die angewöhnt habe seit er mit Rowan spricht.
Er erzählte dass er realisiert habe dass seine Ausdrucksweise für andere etwas seltsam klinge, als er, als einem Freund der ihn besucht hatte etwas zu Essen auf den Boden gefallen war,

„Oopsie!“

gesagt und der Freund ihn mit hochgezogenen Augenbrauen angesehen habe. Nach einer weile zückte Bevan einen guten alten Whisky den er von seinem Vater geschenkt bekommen hatte

"Say, Kuai, would you like a glass of Whisky?"

und wir haben noch zusammen getrunken. Als wir ihm erzählten, dass wir bald nach Dublin mussten und da noch keine Bleibe hatten, bot er uns an einige Freunde dort zu fragen ob wir bei ihnen übernachten könnten. Wir waren angemessen begeistert.

Das war wirklich der mit Abstand beste Abend der Reise, da sind Jan und ich uns einig. Und das gleich nach dem schlechtesten Morgen.

Samstag, 8. September 2007

Tagebuch einer Reise durch Irland - Tag 9

Tag 9

Die Nacht war angenehm und trocken. Morgens hat die Sonne geschienen, in der Ferne war aber wieder so ne Wolkenfront zu sehen. Also sind wir schnell mit unseren nassen Sachen (die Rucksäcke waren vom Regen durchnässt worden) an einen Holzzaun auf dem Footballfeld und haben sie aufgehängt.

Die Sachen

Danach haben wir gefrühstückt.

Das Frühstück

Und die Sachen wieder auf einem anderen Zaun aufgehängt.














Die Sachen auf dem anderen Zaun.

Was für ein Morgen! Dann sind wir weiter getrampt und uns haben zwei lustige Autonome mitgenommen, die extrem viel geraucht haben. Die haben uns bis nach Galway gebracht.

In Galway haben wir dann bei Tesco wieder das bewährte Avocado-Frühstück gefrühstückt, wobei uns jedoch Salz und Pfeffer ausgegangen sind – herber Rückschlag!

Wir wollten gleich wieder aus Galway raus und nach Clifden. Jan hatte die fixe Idee sich zu splitten, also getrennt zu trampen. Ich war was das angeht erstmal unsicher, wir haben’s dann aber einfach probiert. Jan ist weiter die Straße runter ich bin stehen geblieben.

Nach ca. 10 Min. hielt ein rotes Auto mit lauter jugendlichen bei mir. Ich bin dankbar grinsend auf sie zu und dann sind sie johlend und mit quietschenden reifen in eine Einfahrt gefahren. Es war dummerweise die Falsche Einfahrt. Sie haben da ne Weile ausgeharrt. Ich konnte sie ziemlich gut sehen & ich glaube das haben sie gemerkt. Nach so 20 Min. sind sie wieder aus der einfahrt raus und weiter die Autobahn lang. Made my day.

Ich musste sehr lange warten bis jemand gehalten hat. Schließlich hielt ein Gammler mit einer Menge Pornomagazinen auf dem Rücksitz. Der hat mich bis zur nächsten Tankstelle gebracht, wo mich nach einer Weile ein netter Deutscher mitgenommen hat. Es war irgendwie erfrischend aber auch ein wenig ungewohnt die ganzen einstudierten Geschichten auf Deutsch zu erzählen. Leider hat mich der Typ an einer ungünstigen Stelle abgesetzt, wo ich lange warten musste.

Nach einer Weile hat mich ein ulkiger Volksmusiker mitgenommen, der total begeistert war als ich ihm von Couchsurfing erzählt hab und mir seine Nummer gab. Danach wieder ganz langes Warten und dann hat mich ein netter Typ mitgenommen, der mich gleich als Deutschen enttarnt hat:

„You’re German aren’t you?“
„Yeah, right! Was it the accent?“
“No the glasses, all Germans I met wore those glasses. Do you get them at school?”

Vielleicht war das seine Art mir zu versichern dass mein Akzent kaum hörbar ist. Er schien es aber ernst zu meinen.

Danach stand ich wieder ne Weile an einer verlorenen Kreuzung, bis zwei Partygirls für mich gehalten haben. Die hatten Unmengen an Heineken auf den Rücksitzen gestapelt, haben sehr schnell sehr viel geredet und mir ihre Süßigkeiten Angeboten. Wir haben uns ganz nett unterhalten und sie sind für mich extra eine andere Route gefahren als sie mussten, bis nach Clifden!

Das trampen hat tatsächlich fast den ganzen Tag gedauert.

Und es kam noch schlimmer: als ich Jan traf, erzählte er mir von seinem unfassbaren Glück beim Trampen. Gleich nach 5 Minuten hatte eine Mutter mit Kind für ihn gehalten und bald darauf auch schon der nächste Lift und er wartete schon seit über 2 Stunden in Clifden…

Dafür war Clifden aber ganz hübsch, eine kleine, grüne Küstenstadt. Wir haben einen ganz netten grünen Spot Am Wasser gefunden und wollten erstmal was Kochen. Zum Kochen, und weil wir Durst hatten, brauchten wir Trinkwasser.

Nun hatten wir per Mail eine Nachricht erhalten, die uns davor warnte das Trinkwasser in Galway zu kosten, weil da irgendeine Bakterie drin sei. Clifden ist nicht soo weit weg von Galway. Jedenfalls hat Jan sich von einem nahe liegenden Haus Trinkwasser geholt. Das Wasser war gelb. Ich war sehr durstig darum hab ich’s trotzdem getrunken, aber ich hatte wirklich Angst vor dem Zeug. Mit dem Wasser haben wir dann wieder Reis gekocht.














Der Strand an unserem Spot

Die andere Seite














Ich beim Kochen und Lesen. Die Isomatte diente als Windschutz.














Ich wie ich versuche nachdenklich zu wirken. (Weiße Socken…)

Das Essen war ganz in Ordnung. Wir sind danach noch mal durch die Gegend und haben uns einen netten Platz zum Entspannen und Rauchen gesucht.

Da in der Nähe war der Platz.

Als wir zurückgekommen sind war es schon dämmrig. Wir wollten uns gerade zur Ruhe legen als wir merkten… dass es nach Scheiße stank. Gott war das eklig. Auf einmal war der Gestank überall. Irgendwo in unserem Lager war Scheiße.

Nach kurzer Panik haben wir uns dann einfach zum Schlafen fertig gemacht. Mir fiel es relativ leicht die Scheiße zu ignorieren, ich war im Zelt ja geschützt. Jan hingegen war der Scheiße ausgeliefert und machte sich große Sorgen da nachts rein zu rollen oder so. Wir haben dann noch eine Weile die Situation kommentiert.

„Scheiße“
„Ich glaube das wird ne Scheiß-Nacht“
„Dieser Spot… ist Scheiße“
etc.

Für mich war die Nacht ganz okay.

Freitag, 7. September 2007

Tagebuch einer Reise durch Irland - Tag 8

Tag 8

Wir wurden von Birkan geweckt, der meinte er müsse in 5 Minuten zur Uni, wir sollten uns so langsam fertig machen aber – keine Hektik! Birkan stand entspannt in der Gegend herum und kochte dünnen Kaffee während wir aufstanden und alles einpackten (Wir hatten In der Wohnzimmerküche Geschlafen). Sobald wir vor der Tür waren meinte er, er habe heute Morgen Duschgeräusche gehört und gedacht das wären wir gewesen, war aber sein Mitbewohner. Daher habe er uns nicht früher geweckt.

Wir sind dann mit ihm zur Uni, wo er uns seinen Computer für die nächste Couchsurfing-Request zur Verfügung stellte. Wir wollten bei Jemandem in Galway übernachten, da waren aber leider alle verreist. Nach der Uni sind wir dann durch ganz Limerick gelaufen und haben uns erstmal an den Kanal gesetzt um zu Frühstücken.

Gut zu sehen: heranziehendes, schlechtes Wetter.














Ich versuche Jan zu würgen.

Das Frühstück war etwas eklig. Aldi Käse, Aldi Toastbrot, Aldi Orangensaft. Nach dem Frühstück sind wir weiter durch die ganze Stadt gelaufen, bis zu einer Stelle zum Trampen. Das Wetter war mies und die Stelle war auch mies.

Man sieht den Regen nicht, aber er war da. Jan’s Gesicht spiegelt unsere derzeitige Niedergeschlagenheit wider. Und wieder Palmen.

Nach viel Elend etc. hat schließlich ein Lehrer in einem Landrover für uns gehalten. Wir waren sehr dankbar und haben uns ganz nett unterhalten, trotzdem war da eine gewisse Lehrer/Schüler-Barriere zwischen uns.

Der Lehrer nahm uns mit nach Gort wo wir uns gleich auf die Suche nach einem Spot machten. Bald fanden wir eine hübsche eingezäunte Grasfläche gleich am Fluss und in der Nähe eine Ruine.

In der Ruine bauten wir unser Lager auf und sind dann zum Fluss um da zu kochen. Als wir jedoch am Fluss ankamen, stürmten plötzlich etliche Kühe die Weide.


Überall Kühe!

Und sie kommen immer näher.

Auf die Invasion der Kühe hin haben wir vor unserer Ruine jedenfalls eine Kuhbarriere aufgebaut.

Unsere Ruine. Aus den Brettern am Eingang schmiedeten wir die Barriere.

Dann haben wir am Fluss gekocht, geangelt (erfolglos) und einige nette Fotos gemacht:

Die Kochstelle.

Da hab ich heimlich den Auslöser gedrückt.

Nachdem wir gegessen hatten (Nudeln und Tomatensoße) sind wir ein wenig durch die Gegend gewandert und haben auf irgendeiner großen verlassenen Weide geraucht bis es dunkel wurde. Dann sind wir Zurück zum Lager.

Die Barriere war niedergerissen worden. Mit Taschenlampen näherten wir uns der Ruine, denn es war dunkel. Mitten in unserem Lager standen zwei Pferde.

Wir wussten nicht so recht wie wir auf diese Situation reagieren sollten. Zwei Pferde. Wir haben sie ne Weile einfach angeleuchtet. Dann haben sie sich plötzlich auf uns zu bewegt und ich hab „hooo… hoooo…“ gemacht weil das in den Filmen immer klappt und es hat funktioniert!

Wir hatten beide großen, nennen wir es mal, Respekt, vor den Pferden. Darum haben wir so schnell wir konnten unser Lager zusammengesammelt und sind umgezogen auf ein nahe liegendes Footballfeld. Da haben wir dann alles wieder aufgebaut und sind erschöpft schlafen gegangen.

Tagebuch einer Reise durch Irland - Tag 7

Tag 7

Die Nacht war leider recht nass, hat die ganze Zeit geregnet. Ich erinnere mich nachts aufgewacht zu sein und mit der Hand über die Zeltdecke zu fahren um zu prüfen ob sie leckte. Und sie leckte. Nur punktuell zum Glück, aber das reichte für einen unruhigen Schlaf.

Morgens wurden wir dann von gleißendem Sonnenschein geweckt. Fröhlich standen wir auf, haben uns der Sonne entgegen gereckt, ausgelassen gegähnt und schließlich die Augen geöffnet um eine tödlich dunkle Wolkenfront zu bemerken die direkt auf uns zukam. Niedergeschlagen haben wir gepackt so schnell wir konnten und sind zur „Masterkabin“ um uns Wasser zu holen, Zähne zu putzen etc. Es hat geregnet ohne Ende. Als hätte wer gemerkt dass es ein bisschen zu gut für uns gelaufen ist.

Wir fingen also gleich an zu trampen und nach ner Weile nahm uns ein älterer Herr mit…
…zur nächsten Ecke.
Nach ganz, ganz, ganz viel Regen haben wir mal wieder Glück und ein cooler Ire nimmt uns mit. Wir unterhalten uns nett und erfahren, dass der coole Ire eine nette Buchidee hat. Er habe einen Fantasy-Dreiteiler über den Nordirlandkonflikt im Kopf, weil er den als Kind erlebt und durch kindliche Phantasien verarbeitet habe. Klang ganz interessant, so ähnlich wie „Pan’s Labyrinth“.

Als nächstes hat uns so n Vanfahrer mitgenommen der nicht viel geredet hat.

& dann:
Paul der Proll.
Paul hatte sein Auto mit einem roten billig-Metallboden geschmückt den wir später bei Supervalue im Angebot gesehen haben. Die Fenster blieben fast die ganze Fahrt über geschlossen und Paul schien die Heizung aufgedreht zu haben. Wir sind geschmolzen in dem Auto. Paul hat die ganze Zeit übelsten Proll-Mist gelabert und ich saß vorne. Aaah. Und die Musik… lauter, nerviger Rave, die ganze Fahrt über. Jan hat später oft ein Lied zitiert, das ihn hinten zum Lachen gebracht hat:

„Nz, nz, nz, nz that’s the way we fuck”

Oh Mann. Ich saß also vorne und musste mich mit dem Typen unterhalten der irgendwann gemerkt hat das Jan hinten leise Lachte. Also hat Paul ein Witz gerissen:

„Who’s your girlfriend?“
„what?“
„Who’s your girlfriend?“
„what?“
„Your girlfriend there, what’s her name?”
“Erm… his name is Jan”

Naja er fand’s wohl lustig. Wobei man sagen muss dass er die ganze Fahrt über dasselbe dümmliche Grinsen gegrinst hat. Als hätte er sich das mal antrainiert oder so.

Nach Paul mussten wir erstmal zu Lidl und was essen. Ich hab mir ne Tafel Schokolade gekauft, Jan hat sich eine Tube Tomatenmark gegönnt. Er hat’s bereut.

Nach 1 std. (!) warten & Regen nahm uns eine sehr nette englische Frau mit. Jan saß vorn & hatte ein nettes Gespräch. Am Ende gab uns die Frau ihre Nummer, für den Fall dass wir keinen Platz zum schlafen finden würden.

Wir hatten nämlich bei Darragh eine neue Couchsurfing-Request für Limerick aufgesetzt. In irgendeiner Stadt sind wir dann in einer Bibliothek ins Internet & siehe: Birkan Can hatte uns geantwortet. Zu dem wollten wir jetzt. Jan hatte ihn angerufen und berichtete, dass Birkan ihm ungefähr 3 Mal dieselben Anweisungen für einen Treffpunkt gegeben hat.

Wir haben uns vor einem Spar getroffen. Hier ein Foto von seinem Profil (wieder vergessen eins zu machen):

So ungefähr sah er aus. Nur etwas längere Haare & etwas weniger Bart.

Birkan war freundlich, entspannt, charismatisch und am Anfang auch etwas wortkarg. Wir sind dann in sein Haus, wo er wohl erst seit 2 Wochen wohnte. Zu essen gab es Spaghetti, gemischt mit einer Dose Thunfisch und raffiniert abgerundet mit ein wenig Salat. Es war OK. Man stellt ja keine Ansprüche in so einer Position.

Birkan hat dann an irgendeiner Arbeit für sein Studium gearbeitet und uns abends noch mal gefragt ob wir ins Pub möchten. Wir waren aber wirklich zu fertig für’s Pub, also haben wir uns einfach hingesetzt und uns unterhalten.

Hatte er einmal angefangen zu reden war Birkan kaum zu Bremsen. Er hat uns erzählt von seinen Problemen ein Visum zu bekommen, von seinem Talent für Sprachen und dass er uns gerne etwas Französisch oder Spanisch oder italienisch beibringen könnte und von seinem Long-Distance-Walk.

Auch von seinem Profil. Birkan ist der in der Mitte mit langem Haar & Bandana.

Birkan ist nämlich, als er noch lange Haare hatte, den Lycian way durch die Türkei mit 4 Freunden gelaufen. 450 km. Er hat uns erzählt was für eine intensive Erfahrung das war, dass sie die 5 Freunde eng zusammengeschweißt und ihn zu einem viel zufriedeneren und entspannteren Menschen gemacht hat. Da begann Jan’s Obsession mit seinem Long-Distance-Walk, den er nächstes Jahr machen will. War ein netter Abend.

Diesmal musste ich auf dem Boden schlafen und Jan durfte auf die Couch. Ich muss zugeben dass ich ein klein wenig Genugtuung verspürt hab als Jan angefangen hat sich zu beschweren die Couch wäre zu klein. Außerdem hatte sie Holzlehnen.

Hehe.

Donnerstag, 6. September 2007

Tagebuch einer Reise durch Irland - Tag 6

Tag 6

Ich wachte langsam auf, in meinen warmen Daunenschlafsack gehüllt, den Kopf auf einer halbleeren, in einen Pullover gehüllten Plastikflasche. Ich öffnete meine Augen und sah:

Morgentau!

Die Zeltdecke war komplett nass, dafür war der Boden aber relativ trocken. Da das Zelt sehr niedrig war und ich ein großer Mensch bin schleifte ich beim Aufstehen mit Kopf und Schultern an der nassen Zeltdecke entlang. Dem Zelt entkommen, sah ich mich draußen beißender Kälte, und bald darauf auch beißenden kleinen Insekten ausgeliefert.
Wir haben gepackt so schnell es ging, noch ein paar Birnen geklaut und sind dann durch den dornigen schlammigen Weg zurück in die normale Welt.










Der Ort des Grauens. Auf der rechteckigen Fläche hinter Jan hat mein Zelt gestanden.










Ich vor dem „netten kleinen Baum“.

Als wir dann an dem „please close gate“-Gate standen sah Jan auf seinen Arm und bemerkte ein Zecke. Wir tauschten besorgte Blicke, zogen unsere Hemden aus und untersuchten uns gegenseitig: lauter Zecken. Große Zecken. Ich hatte knapp 10, Jan hatte sich unter seinem Tarp über 20 eingefangen.
Als ich Jan’s Hinterkopf untersuchte, keuchte ich entsetzt, als ich eine ganze Kolonie von Zecken hinter Jan’s linkem Ohr entdeckte, mindestens 7.

„Was? Was?!“

fragte Jan auf mein keuchen, Panik in den Augen. War natürlich nix weiter. Er hat sich dann aber an meinem Hinterkopf gerächt:

„Oh Goott!“
„Waas?!“

Als wir uns schließlich alle Zecken aus der Haut pinzettet hatten (Irgendwie beschränkten sich die Zecken glücklicherweise auf Gesicht und Oberkörper), machten wir uns auf den Weg. Einfach nur weg da.

Auf unserem Weg die Straße entlang wollte ich mich durch eine beinahe unnatürlich große, pralle Brombeere am Wegesrand für den schlechten Morgen entschädigen lassen, doch das „private property“-Gelände holte zum finalen Schlag aus: gleich zwei riesige Spinnen klebten an der Beere. Ich schätze nur Spinnenphobiker können nachempfinden was da in mir aufgewallt ist. Durch eine Ruckartige Zuckung mit dem ganzen Körper schleuderte ich die Brombeere zurück ins Gebüsch und mir entfuhr ein Aufschrei, der Entsetzen, Kontrollverlust und Wut auf das ganze verfluchte Gelände zum Ausdruck brachte.

Abgesehen von diesem Exemplar waren Brombeeren übrigens eine der tollsten Sachen an Irland. Die waren da überall am Straßenrand, wie um uns zu kräftigen und bei Laune zu halten. Wenn mal keiner gehalten hat, haben wir eigentlich ständig Brombeeren gegessen. Dabei haben wir uns überlegt, dass das bestimmt alle Tramper in Irland machen. Wir haben uns vorgestellt wie sich die Einheimischen Autofahrer wohl dabei amüsieren, die ganzen verloren aussehenden Leute mit brombeerverschmierten Gesichtern am Straßenrand zu beobachten.

Nach einer Weile hielt dann Jemand für uns, bei dem wir einfach schnell eingestiegen sind. Der Kerl der uns mitnahm stellte sich als ein mindestens 80 jähriger irischer Schäfer heraus und es stank bestialisch in dem Auto. Der Schäfer versuchte sich mit uns zu unterhalten, wir konnten aber kaum ein Wort verstehen. Jan saß vorne und hatte sichtliche Probleme sich zusammenzureißen. Ich sah ihn vor unterdrücktem Lachen zucken während der Schäfer auf ihn Einnuschelte. Ich machte mir wirklich Sorgen wie wir das überstehen sollten, der Schäfer fuhr nämlich die ganze Zeit 20 und wir hatten eine lange Strecke vor uns.
Ich weiß noch genau wie Jan sich immer wieder zu mir umgedreht hat und ich die Anstrengung nicht zu Lachen in seinem Gesicht sehen konnte. Das hat mich wirklich fertig gemacht und ich musste selbst anfangen leise zu Lachen. Das hat sich dann mit Jan’s Lachen immer weiter hochgeschaukelt, Mann war das schlimm. Es wurde noch schlimmer als Mir der Schäfer einen Packen Postkarten nach hinten reichte die er selbst gemacht hatte. Es waren hundert Stück mit 2 unterschiedlichen Motiven: einmal Schafe, einmal Steine. Ich konnte nicht mehr an mich hallten und hab versucht meinen Lachkrampf als heftiges Husten zu tarnen. Jan ging es nicht besser. Sobald wir einen Shop am Straßenrand entdeckt hatten, haben wir gemeint wir bräuchten dringend was zu Essen und sind ausgestiegen.

Wir standen dann schon wieder an der nicht-so-tollen Kreuzung deren Ortsschild wir gesteinigt hatten.











Die Stelle an der uns der Schäfer raus gelassen hat. Das Haus mit der offenen Tür ist der Shop. Die Kreuzung liegt „hinter dem Betrachter“.

Es hat ne Weile gedauert aber dann nahm uns wieder jemand mit. Es war ein (vermutlich) geschiedener Vater mit seiner ihm (vermutlich) kaum bekannten Tochter, die er mit auf eine Entdeckungstour durch Irland mitnahm auf der sie (vermutlich) 'einander entdecken' sollten. Sie waren in einer Art WohnVan unterwegs. Wir konnten nicht besonders viel reden weil wir hinten saßen, dafür konnten wir uns hinlegen und entspannen.

Wir wurden in Trelea abgesetzt, direkt in dem Einkaufsparadies-Distrikt und der war ziemlich hässlich. Aber: ein Einkaufsparadies. Wir sind dann gleich zu Tesco rein, haben uns herabgesetzte mini-Baguettes und herabgesetzte mini-Avocados gekauft und ein richtig leckeres Frühstück gehabt.

Danach sind wir zu Aldi, wo Jan, wie in einem billigen Misterythriller, einen Flashback in seine Vergangenheit hatte. In jenem Aldi hatte er nämlich letztes Jahr aus versehen seine großartige Karte liegen gelassen. Als er da dann wieder rein lief, war sie weg, aber eine nette Kassiererin hat ihm aus Mitleid ihre billige Karte geschenkt (ziemlich nett), die seit diesem Tag immer weiter auseinander fällt. Nach dem Flashback haben wir uns da Tortellini und Tomatensoße gekauft.

Der Lauf durch Trelea war so trist, dass wir angefangen haben uns über Blödsinn zu unterhalten. Nach einer Weile hat mich Jan gefragt was „awfull“ und was „awesome“ heißt, weil er Angst hatte das zu verwechseln, da es ja so ähnlich klingt. Erst da ist mir aufgefallen wie ähnlich sich diese völlig unterschiedlichen Wörter sind. Es wurde dann zu einer Art running-Gag absurde Verwechslungsszenarien mit den beiden Wörtern zu Erfinden:

Jemand hat z.B. was Beeindruckendes gemacht, und du gehst auf ihn zu und sagst „man that was awfull! Yeah! Fuckin awfull man! High five!“.

Oder jemand erzählt dir vom Tod seiner Eltern und du meinst „Oh man… that’s awesome… You know my parents died too and… it was just so awesome…“

Als wir dann wieder an irgendeiner Tankstelle angekommen waren hat uns relativ schnell eine ziemlich coole englische Mutter mitgenommen. Sie meinte sie hätte für uns angehalten weil wir so harmlos aussähen. Diesmal saß ich vorne und hatte ein wirklich angenehmes Gespräch über gute Musik, die Popularität von Engländern und den Strand zu dem wir fuhren. Sie kannte da eine gute Stelle zum Campen, direkt am Meer, und ist für uns extra dahin gefahren! Wir haben uns dann sehr nett verabschiedet und sie hat uns noch Kaugummis geschenkt (…wie taktvoll).

Am strand gab es eine „Masterkabin“ mit Toiletten und Waschbecken für unseren Wasserbedarf. Mit frischem Wasser sind wir dann zum Strand und es war einfach großartig. Wir haben viele Fotos gemacht (das sind nur einige):











Jan Vor der See.

Ich vor der See. Die Steine haben eine Art Abhang gebildet, beim Wasser war Sand.

Welch ein Schnappschuss! Zum Glück wollte ich Jan grade aufs Meer hinweisen.














Da hat Jan die Belichtungszeit hochgesezt & die Sonne herbeigezaubert. Die Realität lag irgendwo zwischen diesem und den anderen Fotos.

Die Landschaft die wir im Rücken hatten.

Wir hatten keine Badehosen dabei. Haben daher kurz gezögert und sind dann mit Unterhose ins Wasser. Das Wasser war relativ kalt aber das machte in dem Moment wirklich nix. Im Wasser haben wir uns Shampoo in die Haare geschmiert und uns von den Wellen die Haare waschen lassen.

Das war wirklich ein toller Abend und das Tief vom Morgen machte das ganze eigentlich nur besser. Danach sind wir ein wenig durch die Landschaft gejoggt und haben nach Stöckern für’s Tarp gesucht und wieder welche gefunden. Abends haben wir uns dann die Tortellini von Aldi gemacht und entspannt am Strand geraucht.
War ein echt netter Abend.

 

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